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"Aber auch die Geographie Griechenlands ist eine einzige Provokation zum Händlertum. Die Fruchtbarkeit seiner Böden bleibt hinter der seiner Frauen weit zurück. Gebirge und Stein, das ist das Land, darin die fruchttragenden Felder eingesprenkelt liegen als winzige Oasen, deren Ernten nie ausreichen. Was es zur Schließung seiner Nahrungslücke brauchte, konnte es nur draußen finden, im Handel über See. Und das Meer bot ihm alle Gunst, die ihm die Erde vorenthielt. Die Hafenfülle seiner Küsten, die vorteilhafte Gliederung ihres horizontalen und vertikalen Reliefs, die dichte Inselflur, die Freundlichkeit der Witterung - sie schraubten das technische Risiko der Schifffahrt auf ein Minimum herab: das Wasser wurde die Erde des griechischen Kaufmanns, auf dem seine Ernten reiften.
Die Lage tat das ihre. Die ägäische Zone ist ein Knotengeflecht, darin sich eine so dichte Vielfalt von Verkehrsfäden verknüpft wie kaum an einer Erdenstelle sonst, einmalig zugleich als interkontinentale und intermarine Drehscheibe. Drei Festländer und drei Meere treffen sich hier, wo sich ihre kürzesten Verbindungslinien schneiden, denen entlang erstmals durch Phöniker und Griechen der orbis terrarum in den Horizont der Erfahrung trat. Alle Fernen bewegen sich hier aufeinander zu.
Griechenlands einzigartige Lage, gepaart mit der Armut seiner Böden und der maritimen Verkehrsgunst, bestimmt sein Volk zur Brückenexistenz, zum Vermitteln und Austauschen der materiellen (und kulturellen) Güter. Griechenland ist das natürliche Kommunikationsfeld zwischen Orient und Okzident."

Johannes Gaitanides, Griechenland ohne Säulen

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