Der Mörder tritt an ihre Seite dicht
Und dunkler träumt Medusens Angesicht.
Ihr ist, sie habe Hass empfunden schon,
Vor sich geschaudert, dumpf und bang gelitten,
Die Menschen habe scheu sie erst geflohn,
Dann ihnen nachgestellt mit Meuchlerschritten -
Sie sinnt, was Unheilbares sie gequält,
Dass sie dem eignen Leben feind geworden
Und andres Leben sich ergötzt zu morden -
Sie sinnt umsonst. Ihr hälts der Traum verhehlt,
Die grause Larve, die sie lang geschreckt,
Ist wie mit einem Purpurtuch bedeckt.
Das Graun ist aufgelöst in Seligkeit,
Begonnen hat der Seele Feierzeit.
Der Dämmer herrscht. Das harte Licht verblich.
Als eine der Erlösten fühlt sie sich.
Sie fürchtet keines Schreckens Wiederkehr,
Sie weiss, die Qualen kommen nimmermehr,
Nein, nimmermehr, und nun ist alles gut!
Sie liegt, den Hals gebogen, auf dem Rasen,
Sie hört die Hirtenflöte wieder blasen
Und lauscht. Sie zuckt. Sie windet sich. Sie ruht."
Conrad Ferdinand Meyer