|
|
|
Ausweglosigkeit
| |
| |
Die Aktivitäten der Menschen laufen zusammen in einem Projekt der Selbstvernichtung. Es geht darum, das, was frei und lebendig ist im Menschen, auszulöschen.
"An verschiedenen und verschiedenartigen Fronten, zum Beispiel in der Gentechnologie, in der Erkundung und Durchführung der fertilisatio in vitro, in der Computerisierung der Arbeit, in der Intensivierung der Ausbeutung von begrenzten Resourcen, in der permanenten Erschöpfung der menschlichen Bedürfnisse, in der vorzeitigen Ruinierung der menschlichen Seelen, überhaupt im Hass auf alles, was wächst ..., werden zur Zeit Anstalten getroffen, die irreversible Prozesse auslösen sollen. Der jeweilige ‹point of no return› erscheint dabei nicht mehr als Warnboje, sondern umgekehrt als Signal unwiderstehlicher Attraktivität." (52)
Warum arbeiten wir so eifrig an unserer Selbstvernichtung?
"Lacan hat das Schicksal des modernen Menschen als erweiterte Zwangsneurose beschrieben, die Ausdruck einer jederzeit krisenhaften Zeitregie ist. Die Konturen dieses Schicksals sieht er zusammengesetzt aus einer Schmerzlust, die in sich selbst verschlossen zu bleiben sucht und in solcher Klausur einen Krankheitsgewinn findet, aus purer Gedankenarbeit, die anstelle von Handlungen passiert und unter starker Regelhaftigkeit mit quasi-religiösen Tabus abläuft, aus einer bestenfalls noch autoerotischen Sexualität, die tendenziell jedes äußere Objekt als inneres Bild nimmt und, indem sie den Zugang zum Anderen verliert, in unproduktiver Depression versinkt, schließlich aus einem permanenten Wechsel von nagendem Selbstzweifel, der nicht zu Ende kommt, und großspurigem Omnipotenzwahn, der immerzu kläglich in Ritualen der Beschwichtigung endet." (63f.)
Dietmar Kamper, Tod des Körpers - Leben der Sprache in: Gebauer/Kamper/Lenzen,Mattenklott,Wulf/Wünsche Historische Anthropologie, 49ff.
|