Bei einer Begegnung bringen wir unsere gelebten Erfahrungen mit, ohne die gegangenen Wege des Anderen zu kennen. Es ist ein Aufeinandertreffen von Vertrautem und Fremden, von Suchen und Gesuchtwerden, von Finden und Gefunden werden. Es ist die Nahtstelle zwischen Tun und Geschehen lassen.
"Wenn wir eines Wegs gehen und einem Menschen begegnen, der uns entgegenkam und auch eines Wegs ging, kennen wir nur unser Stück, nicht das seine, das seine nämlich erleben wir nur in der Begegnung.
Von dem vollkommnen Beziehungsvorgang wissen wir, in der Art des Gelebthabens, unser Ausgegangensein, unser Wegstück. Das andre widerfährt uns nur, wir wissen es nicht. Es widerfährt uns in der Begegnung. Aber wir verheben uns daran, wenn wir davon als von einem Etwas jenseits der Begegnung reden.
Womit wir uns zu befassen, womit wir uns zu bekümmern haben, ist nicht die andre, sondern unsre Seite; sie ist nicht die Gnade, sondern der Wille. Die Gnade geht uns insofern an, als wir zu ihr ausgehn und ihrer Gegenwart harren; unser Gegenstand ist sie nicht.
Das Du tritt mir gegenüber. Aber ich trete in die unmittelbare Beziehung zu ihm. So ist die Beziehung Erwähltwerden und Erwählen, Passion und Aktion in einem."