|
eine Geschichte des Verlusts
| |
Philosophie ist ein dauerndes Suchen, ein ständiger Aufbruch weg vom Erreichten, jeder philosophische Text ist vorläufig. So wäre Unzufriedenheit eine zentrale Tugend der Philosophie.
"Denn Philosophieren heißt suchen, und das impliziert, daß es Dinge zu sehen und zu sagen gibt. Heute aber sucht man kaum. Man 'geht zurück' auf die eine oder andere Tradition, man 'verteidigt' sie. Unsere Überzeugungen fußen weniger auf erkannten Werten oder Wahrheiten, als auf den Lastern und Irrtümern derer, die wir ablehnen. Wir lieben wenige Dinge, wie wir viele verachten. Unser Denken ist ein Denken im Ruhestand oder im Rückzug. Jedermann büßt seine Jugend ab. Dieser Verfall entspricht dem Gang unserer Geschichte. Sobald ein bestimmter Spannungsgrad überwunden ist, hören die Ideen auf, sich fortzuentwickeln und zu leben, sie fallen auf die Stufe von Rechtfertigungen und Vorwänden zurück, sie werden zu Reliquien und Prestigefragen, und was man bombastisch das Leben der Ideen nennt, reduziert sich auf ein Gemisch aus nachtrauernder Sentimentalität, Hass, Schwäche und unserer Phobie. In dieser Welt, wo Ablehnung und grämliche Leidenschaften die Stelle von Gewißheiten einnehmen, versucht man vor allem, nicht zu sehen, und deshalb gilt die Philosophie, weil sie zu sehen verlangt, als Ruchlosigkeit."
|
|
|
|