Im trügerischen Schutz der Sucht nährt sich die Sehnsucht, unangreifbar, unverletztlich zu sein. Der Stoff, aus dem die Träume sind, befriedigt ein gauklerisches Glück. Der Preis ist die betäubte Einsamkeit.
"Alle Süchte sind Versuche, die Sehnsucht nach Freundschaft aus eigener Kraft zu stillen, das heißt ohne dabei von jemand anders abhängig zu sein. Sucht ist Hunger nach Sinn, jedoch ohne dafür die Rolle im Drama der Abhängigkeit von einem anderen lebenden Wesen übernehmen und unter der schrecklichen Angst leiden zu müssen, daß diese Verbindung gelöst werden könnte.
Wer zuviel ißt oder trinkt, macht sich abhängig von etwas, das immer greifbar ist und ihn nicht im Stich lassen kann. Es ist eine bewußt gewählte Gesellschaft mit dem Versprechen auf Ewigkeit. In einer Sucht verbirgt sich die Sehnsucht nach dem Schicksal der Familie, danach, der Aufgabe zu entrinnen, vor die man durch ein Leben in Freiheit gestellt ist.
Ein Süchtiger will das Unmögliche, nämlich Bindung und Unabhängigkeit zugleich, und das Verrückte ist, daß ihm das auch noch gelingt.
Es kostet nur etwas."