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Rückzug
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Helmut Brandt: Mauertattoo

 
Irgendwann ist es soweit: Man wird in den eigenen Körper zurückgetrieben und verliert seine Zukunft und damit die Welt.

"Ich hatte meinen Körper, diese so oft verlassene Behausung, wiedergefunden. Die Angst brachte es zustande, den Tod in meine Augen einzusetzen. Mein Blick ging weit über den Horizont hinaus. Ich sah die Leute rings um mich leben und vor allem lachen. Mein Kopf war plötzlich voll von dieser Zukunft, mit der ich nicht mehr rechnen konnte. Das Härteste war der rücksichtslose Umsturz in der Wahrnehmung der Zeit. Der Raum zählte wenig. Er bestand nicht mehr. Hier sein oder da sein, zu Hause oder anderswo, eine Heimat haben oder nicht, all das war nicht mehr von Wichtigkeit. Nichts war mehr an seinem Platz, genauer, alles war schon an seinem Platz, nur ich nicht. Zum erstenmal vielleicht wurde ich der Gefangene meines Körpers. Er hielt mich fest und gemahnte mich fortwährend an den Stein. Ich, der ich die Gewohnheit hatte und über die Freiheit verfügte, einen Bogen um ihn zu machen, der ich ihm die zufriedene Ruhelage zugewiesen hatte, wo sich die Dinge ganz allein aufeinanderhäufen, wurde plötzlich einer sperrigen, schmerzenden Gegenwärtigkeit gegenübergestellt. Krank sein, bedeutet das nicht eine übersteigerte Art, in der Welt gegenwärtig zu sein, eine Art, als würde man ein Loch höhlen, um zu sehen, ob die Wurzeln noch recht lebendig sind?"
Tahar Ben Jelloun, Der öffentliche Schreiber, 176f.