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Schreiben
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Helmut Brandt: Dokument (1998)

 
Rückzug und Abwehr jeder Nähe zu Anderen, um schreiben zu können. Mit sich allein bleiben in einer mönchischen Askese.

"Schreiben heißt ja sich öffnen bis zum Übermaß; die äußerster Offenherzigkeit und Hingabe, in der sich ein Mensch im menschlichen Verkehr schon zu verlieren glaubt und vor der er also, solange er bei Sinnen ist, immer zurückscheuen wird - denn leben will jeder, solange er lebt - diese Offenherzigkeit und Hingabe genügt zum Schreiben bei weitem nicht. Was von dieser Oberfläche ins Schreiben hinübergenommen wird - wenn es nicht anders geht und die tiefern Quellen schweigen - ist nichts und fällt in dem Augenblick zusammen, in dem ein wahres Gefühl diesen obern Boden zum Schwanken bringt. Deshalb kann man nicht genug allein sein, wenn man schreibt, deshalb kann es nicht still genug um einen sein, wenn man schreibt, die Nacht ist noch zu wenig Nacht. Deshalb kann nicht genug Zeit einem zu Verfügung stehen, denn die Wege sind lang, und man irrt leicht ab (...) Oft dachte ich schon daran, daß es die beste Lebensweise für mich wäre, mit Schreibzeug und einer Lampe im innersten Raume eines ausgedehnten, abgesperrten Kellers zu sein. Das Essen brächte man mir, stellte es immer weit von meinem Raum entfernt hinter der äußersten Tür des Kellers nieder. Der Weg um das Essen, im Schlafrock, durch alle Kellergewölbe hindurch wäre mein einziger Spaziergang. Dann kehrte ich zu meinem Tisch zurück, würde langsam und mit Bedacht essen und wieder gleich zu schreiben anfangen. Was ich dann schreiben würde! Aus welchen Tiefen ich es hervorreißen würde!"
Franz Kafka, Briefe an Felice Bauer, 250