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Liebe
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Helmut Brandt: ohne Titel

 
Das Bekenntnis »Ich liebe Dich« ist ein Konglomerat aus Fußangeln, Fallstricken, Schutzschilden und Waffen.

"Ich protestiere zugleich gegen die Unvorhersehbarkeit meines Gefühls, gegen die Möglichkeit, daß es verblassen könnte, gegen seinen unabwendbaren Verschleiß und gegen die Fremdheit des anderen. 'Ich liebe dich' - ein bestürzendes Wort bemächtigt sich einer nicht zu verantwortenden Beziehung, um sie zu kodifizieren; ein Verlangen wehrt sich gegen das Unbekannte, an das es sich vorher gewandt hatte." (143f.)
"Ich erwarte also von dem Verb 'lieben', daß es mich von der Erwartung befreit. Ich will meine Schwäche bannen, im Anderen jedes Vermögen besiegen, mich zu verändern. Dasselbe kann ich auch mit dem Bruch der Beziehung wollen. Ob ich sage 'Ich liebe dich' oder ob ich den Bruch herbeiführe, beides sind nur zwei Spielarten meines Wunsches nach einer Lösung. Es gilt, die Gegenwart des Anderen zu bewältigen, entweder indem ich sie vernichte, oder indem ich sie absehbar mache." (146)
"In der Formel 'Ich liebe dich' steckt ferner die Heftigkeit eines Imperativs: Liebe mich! Ich befehle dir, mich zu lieben! Bezahl mir gefälligst deine Schulden! Meine Liebe macht dich - ob du es willst oder nicht - zu meinem Schuldner. Du hast ein Unrecht an mir begangen, du hast mich verletzt, und das kannst du nur abbüßen, indem du die Gegenseitigkeit akzeptierst." (148f.)
Pascal Bruckner / Alain Finkielkraut, Die neue Liebesunordnung, 143ff.