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Das Inzestphantasma ist das Phantasma des Begehrens als des Begehren des Selben. Einheit, Ganzheit, Homegenität sind seine Austragungsformen. Ontogenetisch bezieht es sich auf die Einheit mit der Mutter, die durch Intervention des Dritten (Vater) verhindert wird. Inzestformen sind eineins Glücksverheißungen und Existenzbedrohungen.

Das "projizierte Inzestphantasma" wird als Kunst "eingekapselt".
"Kunst ist also Magie, und ihre adaptive Funktion besteht darin, abgespaltenes und eingehülltes Gedächtnis der inzestuösen Existenzgefährdung zu sein." (24)
"Wenn nicht alles täuscht, verdankt sich Kunst an ihrem Ursprung der Projektion der 'hypostasierten Einheit', des Inzestbegehrens als des Inbegriffs scheiternder Individuation, des Lebenslimes 'nach außen', und je nach der konstituierten Kunstart differiert die Regressionstiefe des kunstbegründenden erotische Autarkie bezweckenden 'Splits'." (24)
(Musik = paranoide Position, bildende Kunst = depressive Position, Dichtung = ödipale Inszenierung)
Am nächsten dem Inzestphantasma ist die Musik, ihr "Regressionsgehalt" ist am stärksten. In der Musik findet eine "Kommunion mit der Mutter" statt, eine Regression auf die "mutternahe Hörrealität". (20)
Musikerfahrung ist eine Krisenerinnerung, analog zur psychoanalytischen Erfahrung. Sie ist Erinnerung an die Daseinskrisen, durch die hindurch sich Individualität ausbildet.
"Die Manie der Inkorporation, der Rausch der ewigen Kommunion mit der Mutter Musik stürzt in die Zeit (den Inbegriff des Vaters) vernichtend, selbstvernichtend, trauervoll zurück?" (23)
Rudolf Heinz, Psychoanalytische Musikinterpretation in der Gruppe
in: Zeitschrift für Musiktheorie 7, 1976, 6ff.