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In seiner Kindheit fand Kafka nie einen Menschen, der ihn verstand, er fühlte sich alleingelassen und abgelehnt und ohnmächtig und darin in seiner Existenz bedroht. Kafkas Vater war ein grober, jähzorniger Mensch und verachtete und verspottete ihn. Kafkas Mutter war eine ihrer selbst unsichere Person, ihrem Mann unterworfen und ihren Sohn verstand sie nicht, er war ihr fremd.
"Wie groß und unbändig stark muß Kafkas Hunger nach einem zuhörenden Menschen in seiner Kindheit gewesen sein, nach einem wahrhaftigen Menschen, der ohne Drohungen und ohne Ängstlichkeit seine Fragen, Ängste und Zweifel aufgenommen, seine Interessen geteilt, seine Gefühle mitgespürt und nicht verspottet hätte." (327) Dieser Hunger durchzieht die Briefe an Felice Bauer wie ein roter Faden.
"Ein Mensch, der als Kind so einsam wie Franz Kafka war, kann sich nicht als Erwachsener einen Freund oder eine Frau suchen, die ihn verstehen würden, sondern sucht oft zunächst die Wiederholung der Kindheit." (335)
So wie Kafkas Mutter ihn nicht verstand, so verstand auch Felice Bauer ihn nicht. Und Kafka klammert sich fünf Jahre an eine Frau und versucht sich ihr verständlich zu machen, aber sie konnte kaum auf ihn eingehen.
"Das sich Anklammern, Hoffen, Flehen um Zuwendung wechseln ab mit der Angst vor dem Verlassenwerden und den Selbstvorwürfen. Erst mit der Zeit wagen sich auch Vorwürfe in die Briefe, gefolgt von großer Angst, nun alles aufs Spiel gesetzt zu haben." (340)
Am Ende akzeptiert Kafka sein Scheitern, trennt sich, entscheidet sich für sein Alleinsein und bezahlt dafür mit der tödlichen Krankheit.
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