Krankheit ist Vorbereitung auf den Tod, sie vermittelt eine Ahnung davon, wie es sein wird: wenn der Körper nicht mehr reibungslos funktioniert und einem im Stich läßt, wenn plötzlich neue und fremde Schmerzen auftreten, wenn sich der Spielraum körperlicher Möglichkeiten immer mehr einschränkt.
Krankheit ist ein Ausdruck der Lebenswirklichkeit eines Menschen. Für die Medizin ist sie hingegen nur eine Fehlfunktion des Körpers und damit der Feind des Menschen. Da der Körper aber zwangsläufig in seinen Funktionen nachläßt, krank wird, wird der Körper grundsätzlich zum Feind.
Eine Krankheit kann eine Erfahrung sein, die einem die Augen öffnet, sie führt dann zu einer Sensibilität, die jemand nicht haben kann, der immer gesund gewesen ist. "Der Schmerz ist das Auge des Geistes", schrieb Helmut Plessner.
Erst aus der Erfahrung einer Krankheit heraus weiß man, was Gesundheit ist: ein lebendiges atmendes Einssein mit der Welt, in der freudigen Offenheit für das, was geschieht.