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Leben
Helmut Brandt: "Altamira"


 
Das Leben ist ein Verlieren, ein Sich-trennen, das Ich ist ein sterbendes Ich. Aber darin verbirgt sich eine Freiheit.

"Der Gemeinplatz des Sterbens im Leben, des Lebens noch im letzten Atemzug ... besagt auch: Wir trennen uns (vom anderen, von uns selbst) unaufhörlich. Wir besitzen, oder vielmehr, wir glauben zu besitzen, aber unser Besitz zerrinnt uns unter den Fingern. Im Moment, wo wir etwas besitzen, wo wir uns etwas durch einfache Wahrnehmung bemächtigen - in diesem Augenblick ist unsere Beziehung zu dem Wahrgenommenen grundsätzlich in Frage gestellt; in diesem Augenblick ist die Libido, die das Objekt «besetzt», durch das Bewußtsein schon zurückbeordert, in der Vorwegnahme jenes «Schwebens», das die Zurücknahme der Libido mit sich bringt. Schlimmer als das: die zurückgenommene, ihrer Besetzung unsicher gewordene Libido flutet zwar auf das eigene Ich zurück, findet aber hierin auch keine Befriedigung; denn auch mein Ich ist ein Ich zum Sterben, ein sterbendes Ich; ich kann mich ebenso wenig endgültig haben, ich kann ebenso wenig Ich sein, ich kann ebenso wenig bei mir verweilen, mit mir eins sein wie Ich durch Identifikation ein anderer war."
Igor A. Caruso, Die Trennung der Liebenden, 32

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