Memo
Leben
Helmut Brandt: "Altamira"


 
Das Glück zu leben, einfach da sein, zu sehen und zu fühlen, verdankt sich dem Bewusstsein der Vergänglichkeit. Die Kehrseite der Schönheit ist der Abgrund des Nichts, das Wissen um den Verlust. Jede Erfahrung ist ein Abschied.

"Vielleicht kommt der ganze herzergreifende Zauber des Lebens von der absoluten Gewißheit des Todes. Wären die Dinge beständig, würden wir sie nicht für würdig halten, uns an sie zu binden.
Der Himmel der zeitlichen Dauer ist von großen Farbunterschieden geprägt: die Vergangenheit ist rosa, die Gegenwart grau, die Zukunft blau. Jenseits des zitternden Blaus öffnet sich der grenzenlose und namenlose Abgrund, der Abgrund der Transformationen zum ewigen Leben.
Ja, der nützliche Begriff eines zwangsläufigen und endgültigen Abgangs ist manchen Seelen Grund genug, den Dingen des Lebens einen herzzerreißenden Zauber zu verleihen.
Die Orte, an denen man geliebt und gelitten, an denen man gedacht und geträumt hat, und vor allem die Länder, die man verlassen mußte, ohne die Hoffnung, sie je wiederzusehen, kommen uns in der Erinnerung schöner vor, als sie in Wirklichkeit waren.
Im Raum und in der Zeit ist die bedauernde Sehnsucht wie ein betörender Zauberer, der alle Schatten durchdringt."
Isabelle Eberhardt, Sandmeere 1, 379
(Im heißen Schatten des Islam)
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