SynSign
Liebe
Name 
PW 
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Unstillbar bleibt die Sehnsucht, wenn man liebt. Auch wenn wir uns dem Anderen innig verbunden fühlen, mit ihm verschmelzen möchten, bleibt er ein "Anderer".

"Ein ewiges Fremdbleiben im ewigen Nahesein ist jeder Liebe als solcher ihr ureigenstes Merkmal gegeben und weicht nicht von ihr ... nicht nur in Verachtung, oder in unerwiderter Liebe, sondern überall, wo überhaupt Menschen lieben, rührt Einer nur ganz leise an den Anderen und überläßt ihn dann sich selbst. Immer ist es ein unerreichbarer Stern, den wir lieben, und immer ist alle Liebe tief in ihrem Wesen eine heimliche Tragödie, - die aber nur dadurch, daß sie es ist, ihre gewaltige fruchtbare Wirkung zu äußern vermag. Man kann nicht so tief in sich selbst hinabsteigen, man kann nicht aus dem Urgrund des Lebens schöpfen, wo alle Kräfte noch verschlungen, alle Gegensätze noch ungeschieden ruhen, - ohne auch Glück und Qual in ihrem geheimnisvollen Zusammenhange an sich zu spüren. Denn was dem Menschen da geschieht, das liegt nicht nur jenseits aller Einseitigkeiten und Spaltungen von Selbstsucht oder Selbstlosigkeit, von Sinnlichem oder Geistigem, es liegt auch jenseits jenes sorgsam, mühsam umfriedeten Wohlbefindens, das wir zeitlebens gegen allen Schmerz zu schützen suchen wie gegen unsern ärgsten Feind."
Lou Andreas-Salomé, Die Erotik, 81f.