Die Liebe meint nicht den Anderen, sie entsteht nur angesichts des Anderen. Der Andere ist Spiegel einer Kraft, die sich in einem entfaltet.
"Die Illusion, der Liebende sei eins mit dem Geliebten erwächst nur aus der Dankbarkeit, die sich dem zuwendet, den man irrtümlich für den Gebenden hält. Der Liebende ist nicht eins mit dem Geliebten. Er hat nur zu gleicher Zeit wie der andere dasselbe empfunden, es auf eine narzistische Weise mit dem anderen geteilt; und das Verlangen, dem Geliebten nahe zu sein, entspringt weit weniger dem Begehren, ihn zu besitzen, als vielmehr dem Wunsch, das gemeinsam Durchlebte untereinander zu vergleichen wie die Bilder in verschiedenen Spiegeln. Der erste Blick, der erste Kuß, die erste Berührung, Begierde, Stolz, Neid - all dies folgt viel später - und auch die ersten Geständnisse, die dann die Wende herbeiführen: die Liebe wandelt sich in Gewohnheit, in Besitz, sinkt zurück in die Einsamkeit."