Der Suche nach sich selbst droht das Finden, das Ankommen, und damit die Gefahr, sich zu begnügen und letztlich zu beschränken. Ein Suchender zu bleiben, öffnet den Horizont der Möglichkeiten.
"Ich habe mich ein Leben lang der Suche nach Selbsterkenntnis widersetzt, das heißt, der Suche nach mir selbst. Mir wollte scheinen, daß diese Suche, oder vielmehr ihr Gelingen, zu einer Beschränkung und Verarmung des Seins führte, in der sich allein etliche armselige und beschränkte Gemüter gefallen und begreifen könnten; oder daß diese Kenntnis, die man von sich selbst gewänne, das Sein und dessen Entwicklung beschränkte, denn man bliebe so, wie man sich gefunden hätte, und strebte danach, sich fortan zu gleichen. Mir schien es wichtiger, unablässig die Erwartungen zu fördern, ein immerwährendes, unfaßbares Werden. Die Inkonsequenz mißfiel mir weniger als eine gewisse entschlossene Konsequenz, ein starrer Wille, sich selbst treu zu bleiben, die Angst, sich zu widersprechen."