Das Rauchen entlastet vom Druck der Zeit, von der Last der unerfüllten Ansprüche, indem es eine kleine Zeitspanne heraushebt und einen Aufschub gewährt.
"Jede Zigarette war eine kleine herausgehobene, befristete Gegenwart, die, wenn er wollte, an eine andere befristete kleine Gegenwart grenzte. Er konnte sich diese kleinen Portionen Zeit nach Belieben zumessen, wenn er nur dafür sorgte, daß er immer einen beruhigenden Vorrat bei sich trug. Jede Zigarette, die er anzündete, gab ihm das Gefühl eines Anfangs, auch wenn er schon wußte, daß dieser Anfang zu nichts führen würde und er danach wieder einen Anfang machen mußte, um dieses schwebende Gefühl wachzuhalten, diese unruhige Ruhe des Bereitseins, mit der er nach vorne blickte, wo nichts zu sehen war, noch nichts. Die Gegenstände standen herum auf den gewohnten Plätzen und verhinderten, daß sich etwas anderes zeigte. Obwohl er sich oft nahe von fremdartigen Verwirklichungen fühlte. Etwas zog durch die Luft wie der Faltenwurf eines unsichtbaren Vorhangs, der sich im Öffnen schon wieder verlor. Er wartete. Er war ein Wartender, während er rauchte und dieses kleine ausgefeilte und beruhigende Spiel des vorläufigen Anfangens wiederholte: den Griff in die Packung nach dem leichten, zarten Papierleib, das Greifgefühl in den Lippen, die ihn in Empfang nahmen, das Klicken des Feuerzeugs und die herausspringende Flamme, die das weiße Stäbchen in Brand setzte, der erste, jedesmal tiefe Zug. Alles war vorläufig. Jeder ausgerauchte, verschwelende Stummel, den er im Ascher zerdrückte, sagte ihm, daß diese eben vergangene Zeitspanne noch leer geblieben war."