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Schreiben
Helmut Brandt: Letter to Mr Kelly

 
Schreibend versucht man einen Verlust auszugleichen, eine Trauer zu verarbeiten.

"Ich glaube, man kann nur dann auf dem Weg der Entdeckung der Schrift oder von etwas anderem weiterkommen, wenn man von einer Trauer ausgeht und der Wiedergutmachung der Trauer. Ursprünglich ist die Geste des Schreibens mit der Erfahrung des Verschwindens, mit dem Gefühl, daß man den Schlüssel zur Welt verloren hat, hinausgeworfen worden ist, verbunden. Plötzlich den kostbaren Sinn für das Seltene, für das Sterbliche erworben zu haben; dringend den Eingang, den Atem wiederfinden zu müssen, die Spur nicht verlieren zu dürfen. Wir müssen die Sterblichkeit erlernen." (70)
"Schreibend - und in all dem arbeitend, was der Schrift gleichkommt - gilt es, dem die Hand zu reichen, was man verloren hat, würde Clarice Lispector sagen." (71)
"Schreiben ist immer auf eine gewisse Art gerettet sein." (75)
Hélène Cixous, Von der Szene des Unbewußten zur Szene der Geschichte; in: Konkursbuch 20, 62ff.

© 2003-2010 Manfred Köhler