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Helmut Brandt: aus der Reihe Altamira (2005)

 
Irgendwann sind sie einem zu viel, die endlosen Wiederholungen, die zu nichts führen.
"Wiederholte Übermüdung läßt dich das Schweigen grenzenlos schätzen, weil alle Wörter in der Erschöpfung ihre Bedeutung einbüßen und in den Ohren wie mechanische Hämmer schlagen, in leere Klänge, erregende Schwingungen und betäubende Töne zerfallen. Alle Begriffe verdünnen sich, alle Ausdrücke werden gedämpft, alles, was du sprichst oder hörst, entblößt sich zu kahler und abstoßender Nacktheit. In dir nimmt nichts mehr ausdrucksvolle Form oder Konsistenz an, sondern alles, was nach außen strömt, und alles, was nach innen dringt, ist wie fernes, monotones und gleichmäßiges Gemurmel, das in keiner Weise die Nuancen des Seelenlebens anzuregen oder Interesse und Neugierde zu erwecken vermag. Dann erscheint es dir sinnlos, deine Meinung zu äußern, eine bestimmte Haltung einzunehmen oder jemanden zu beeindrucken, und alle Geräusche, auf die du durch Schweigen verzichtet hast, wachsen in der seelischen Unruhe an, die dem erhabenen Schweigen innewohnt. Nachdem du dich wie ein Wahnsinniger geplagt, alle Probleme zu lösen, dich auf den Höhen gequält hast und schließlich die allerhöchsten Antworten geben solltest, entdeckst du am Ende im Schweigen die einzige Wirklichkeit und die einzige Ausdrucksform: Wer nicht im Schweigen endet, hat nicht alles gesehen."
E. M. Cioran, Auf den Gipfeln der Verzweiflung, 170f.
© 2011 Manfred Köhler
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