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Helmut Brandt: ohne Titel

 
Schon die Wahl des Wortes ist nicht unbefangen: das gängige Wort "Selbstmord" bringt zum Ausdruck, daß es sich um ein Vergehen handelt, das früher auch geahndet wurde, z.B. durch Verweigerung eines normalen Begräbnisses oder durch eine postmortale Bestrafung. - Das Wort "Selbsttötung" hingegen ist noch neutraler als das Wort "Freitod", denn es muß nicht ein Ausdruck von Freiheit sein, wenn man sich das Leben nimmt.
Eher ist es ein Ausdruck von Ausweglosigkeit, allerdings kaum ein Leben entgeht am Ende dieser Ausweglosigkeit in Gestalt von Krankheit und Hilflosigkeit. Man sieht es auf sich zukommen und fragt sich, ob man die Kraft haben wird, dann sich selbst zu beenden, bevor man beendet wird. Selbsttötung als Ausdruck von Würde und Stolz.
Oder muß man sich in Gänze erleiden bis zu diesem Ende, das einem durch den Verfall aufgezwungen wird?
Selbsttötung als Ausdruck von Selbstverfügung, sie ist der Schatten des Selbstbewußtseins, oder mehr noch: ihr Kern. Sich selbst auszuspielen gegen das Leben, gegen das Ganze.
© 2011 Manfred Köhler
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