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Helmut Brandt: ohne Titel


 
Cesare Pavese hat sich mit 42 Jahren das Leben genommen (1950). In seinem Tagebuch schrieb er 5 Monate vor seinem Tod:
"Man tötet sich nicht aus Liebe für eine Frau. Man tötet sich, weil eine Liebe, irgendeine Liebe, uns in unserer Nacktheit enthüllt, in unserem Elend, unserer Wehrlosigkeit, unserm Nichts." (25. März)

Cesare Pavese, Das Handwerk des Lebens, 381

Er war zu dieser Zeit in eine Frau verliebt und litt an der Angst sie zu verlieren. Die letzten Seiten seines Tagebuchs zeigen, daß sie sich ihm entzog, daß für ihn das Scheitern ihrer Begegnung zum grundsätzlichen Scheitern seines Lebens überhaupt wurde. Er schämte sich seiner Klagen und suchte nach einer Lösung für sich.
"Liebe, vielleicht bist du wirklich die Beste – die Wahre. Aber ich habe nicht mehr die Zeit, es dir zu sagen, es dich wissen zu lassen – und dann, auch wenn ich könnte, bleibt die Probe, die Probe, der Bankrott.
Heute sehe ich klar, daß ich von meinem 28. Jahr bis heute immer unter diesem Schatten gelebt habe – mancher würde sagen: ein Komplex. Mag er es sagen: es ist etwas sehr viel Einfacheres.
Auch du bist der Frühling, ein eleganter, unglaublich süßer und schmiegsamer Frühling, süß, frisch, flüchtig – verderbt und gut – «eine Blüte vom süßesten Tale des Po», würde sagen – ich weiß nicht wer.
Und doch bist auch du nur ein Vorwand. Schuld ist, außer mir selbst, nur die «unruhig Angstvolle, die still für sich lächelt»."
Zwei Tage später schrieb er zum letzten Mal in seinem Tagebuch:
"Es braucht Demut, nicht Stolz.
All das macht Ekel.
Nicht Worte. Eine Geste. Ich werde nicht mehr schreiben."
Cesare Pavese, Das Handwerk des Lebens, 387
Neun Tage später, am 27. August, nahm er sich in einem Turiner Hotel das Leben.
© 2011 Manfred Köhler
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