Sexualität steht im Gegensatz zu einer Ordnung der Individuation und des Maßes, das heißt gegen eine Ordnung der Trennung und der Einsamkeit.
"Was von Anfang an in der Erotik spürbar ist, ist die durch einen plethorischen Aufruhr hervorgerufene Erschütterung einer Ordnung, die Ausdruck einer knauserigen Wirklichkeit, einer geschlossenen Wirklichkeit ist. Die Sexualität des Tieres setzt denselben plethorischen Aufruhr frei, aber ihm steht kein Widerstand, keine Schranke entgegen. Der ungebundene Aufruhr des Tieres stürzt in einer unbegrenzten Gewaltsamkeit zusammen. Der Bruch wird vollendet, eine stürmische Welle verliert sich; dann schließt sich die Einsamkeit des diskontinuierlichen Wesens wieder. Die einzige Änderung der individuellen Diskontinuität, deren das Tier fähig ist, ist der Tod. Das Tier stirbt; andernfalls, wenn der Aufruhr vorüber ist, bleibt die Diskontinuität unberührt erhalten. Im Gegensatz dazu öffnet die sexuelle Gewaltsamkeit im menschlichen Leben eine Wunde. Selten schließt sich die Wunde von selbst. Sie muß geschlossen werden. Sie kann sogar ohne beständige Beachtung, die von der Angst angeregt wird, nicht geschlossen bleiben. Die elementare Angst, verbunden mit dem sexuellen Aufruhr, kündigt den Tod an. Die Gewaltsamkeit dieses Aufruhrs öffnet in dem Wesen, das ihn erlebt, wenn es Kenntnis vom Tod hat, wieder den Abgrund, den der Tod ihm aufdeckte."