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Helmut Brandt
Helmut Brandt: aus der Reihe "Gebärden" (2005)

 
Man lebt aus einer Dunkelheit heraus, vieles hat man vergessen, die eigene Tiefe entzieht sich, man erreicht sich nicht.
"Wie hat das für mich begonnen? Die Wurzeln der Erinnerung stecken sicherlich im Vergessenen. In einem finsteren Chaos, wo es von unbekannten Trieben, Wünschen, Impulsen, Wallungen, Ängsten wimmelt, die ich niemals auseinanderhalten kann, die ich aber empfinde und die mich leiten, die sich regen und mich zum Handeln anregen. Würde ich die Urgründe aller meiner Handlungen kennen, würde ich aufhören zu handeln. Es gibt keine Gründe der Gründe. Es gibt für nichts Gründe. Wüßte ich, könnte ich wissen, begreifen, würde ich ins Schweigen, in die Nacht zurückkehren. Ich glaube, wenn man mir erklären könnte, was mich dazu drängt zu leben, würde ich aufhören zu leben.
Im Augenblick oder schon immer lebe ich nur, weil mein Wille nicht zu existieren von meinem Drang nach Existenz überdeckt und beherrscht wird. Diese beiden Willensrichtungen sind ständig im Konflikt, und dieser Konflikt ist die Tragödie, ist die Angst, die mein Leben zu einem Leben des Unbehagens, des schlechten Gewissens, des Schuldgefühls macht. Glücklich der Mensch, der ohne Hintergedanken gern lebt, der nicht vom Gedanken an den Tod besessen ist, den der Tod nicht schreckt, da er für ihn kein Alpdruck ist. Werde ich sterben, ohne mich gekannt, ohne mich begriffen zu haben?"
Eugène Ionesco, Tagebuch, 157
© 2011 Manfred Köhler
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