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symbiotischer Abgrund
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Nähe und Vertrautheit bergen die Gefahr in sich, füreinander zum gläsernen Gegenüber zu werden. Es drohen Kontrolle, Entlarvung, Verurteiltwerden und Enttarnung der geheimsten Gedanken. Der Preis des engen Miteinanders ist die Schutzlosigkeit.
"Nichts verletzt den Menschen so sehr, wie wenn andere in seinem Innern lesen; und nur Eheleute können es. Sie können das Dunkle auf dem Grunde ihrer Seele nicht verbergen und spüren die Absichten des andern im voraus. Daher leben sie leicht in der Vorstellung, daß sie sich gegenseitig ausspionieren, was sie genau betrachtet auch tun. Sie fürchten nichts so sehr wie die Blicke des Ehepartners, denen sie schutzlos ausgeliefert sind. Sie haben einen Richter an ihrer Seite, der schon die keimende böse Begierde verurteilt, obgleich man doch für seine Gedanken nach dem bürgerlichen Gesetz nicht verantwortlich gemacht werden kann. Mit der Ehe ist man also in ein Verhältnis eingetreten, das eine Treppenstufe höher steht als das gewöhnliche Leben, mit strengeren Ansprüchen und tiefer reichenden Forderungen, die sogar mit seiner entwickelten geistigen Fähigkeit rechnen. Darum erhob auch die christliche Kirche die Ehe zu einem Sakrament und betrachtet sie als ein kleines läuterndes Feuer und nicht als ein Lager der Lust."
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