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Helmut Brandt: "Altamira"


 
Das Lachen ist ein Gegenspieler zur Ordnung, zur Sicherheit, zur Schönheit. Wie ein hervorbrechender Schatten - eine Kraft, die zerstört und erhebt.

"... es war eine ungeheure Kitzel-Lust, der Kitzel zur Allzersprengung, zur Weltzersprengung und zur Ich-Zersprengung, durchschüttelt von der Lust eines noch größeren, noch vorzeitigeren Wissens, oh, es war Erfühlen, es war Erspüren, es war Erwissen und darüber hinaus sogar ein Erkennen, es wurde ihm zum Erkennen, ja zum Selbsterkennen, da ihm aus dem Raum seines tiefsten Vor-Wissens, in den er hineingehalten war, ein letztes Begreifen zugeflutet wurde und er blitzhaft erkannte, daß die Zersprengung der Schönheit einfach das nackte Lachen ist und das Lachen die vorbestimmte Aufsprengung der Weltenschönheit, daß das Lachen von Anbeginn an der Schönheit beigegeben ist und ihr für immerdar innewohnt, daß es als Lächeln in ihr schillert an den Unwirklichkeitsgrenzen der Überferne, dann aber brüllend aus ihr hervorbricht an der Wendegrenze ihrer Dauer, hervorbricht als die dröhnende, donnernde Zeitenzertrümmerung, als die dämonische Kraft zur Alleszertrümmerung, das Lachen, Widerpart der Weltenschönheit, das Lachen, verzweifelter Ersatz für die verlorene Erkenntniszuversicht, das Lachen als Ende für die abgebrochene Flucht in die Schönheit, das Ende des abgebrochenen Schönheitsspieles; oh, Trauer ob der Trauer, Spiel mit dem Spiele, Genuß an der Austreibung des Genusses, verdoppelte Trauer, verdoppeltes Spiel, verdoppelter Genuß, es ist das Lachen immer wieder die Flucht aus der Zufluchtsstätte, spielüberhoben, weltenüberhoben, erkenntnisüberhoben, die Zersprengung der Weltentrauer ..."
Hermann Broch, Der Tod des Vergil, 122f.