Die Liebe bricht die Selbstbezogenheit auf und verbindet das eigene Leben mit dem eines anderen. Man öffnet sich für die Schönheit und das Rätsel einer Begegnung. Man fühlt sich beschenkt und lebendig, aber auch unsicher und verletzlich. In der griechischen Mythologie ist Eros das Kind der Fülle (Poros) und des Mangels (Penia). Die Bettlerin Penia schleicht sich auf ein Fest ein, bemächtigt sich des Körpers des betrunkenen Poros und empfängt aus dieser Vereinigung den Eros.
Deshalb ist Liebe sowohl Reichtum als auch Armut. Der Reichtum ist eher trunkene, bewusstlose Fülle, dagegen setzt sich die bittere Entbehrung. Es droht die Abhängigkeit vom Anderen, indem man sein Leben nach ihm ausrichtet. Dann wird Liebe zum Verhängnis.
Man verliert den Boden unter den Füßen, das selbstverständliche Leben zerbricht. Man kommt sich abhanden. Ein Zustand der Gefährdung. Man wird herausgesprengt aus seinem Leben, aus seinen Gewissheiten. Man verliert sich, man verzichtet auf sich.
Aber als eine solche Erfahrung ist Liebe auch eine Möglichkeit der Erkenntnis und der Verwandlung.
Wenn die Liebe nicht zu einem Anspruch an den Anderen verkommt, zur Kontrolle und Zerstörung des Anderen, dann wird sie zu einer Verführung, zu einem Begehren des Anderen, das ihn nicht vernichten will.
Dann wird Liebe zu einer Erfahrung der Fremdheit des Anderen, zu seiner Bejahung in dem, was er war und ist.