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Leben
Helmut Brandt: "Visuelle Poesie"


 
Das Leben erfährt seine Begrenzung durch den Tod, vom Tod her wird das Leben zur Frage.
Man kann sein Leben verfehlen, man kann es gewinnen und verlieren. Das Leben besteht aus Anfängen, Aufbrüchen. Es ist mehr ein Suchen als ein Finden. Das Leben ist ein Anspruch, an dem man zu scheitern fürchtet.
Letztlich bleibt es Stückwerk, es besteht aus Versuchen, die sich nicht vollenden, es bleiben Geschichten.
Horizonte öffnen sich, die wahrgenommen werden wollen. Und häufig findet man etwas anderes als das, was man suchte.
Das Leben lieben und feiern, im Glück und im Schmerz. Vorbehaltslose Bejahung. Es gibt nichts außer dem Leben. Akzeptieren, was ist, das Staunen darüber, einfach da zu sein. Darin das Glück sehen und empfinden.
Die Fülle der Gegenwart, das Göttliche. Man weicht ihm aus, indem man sich in die Hoffnung flüchtet, in ein Später, ein Jenseits.
Leben ist Verlieren, das Sterben im Leben. Das Alter, der Verlust von Kraft, von Fähigkeiten, der körperliche Verfall. Die Zukunft wird weniger. Auch die Vergangenheit geht verloren, weil sich die Erinnerungen verflüchtigen. Das Ich ist ein sterbendes Ich.
Die Bejahung des Lebens - die Freude zu leben - schließt ein, zu akzeptieren, dass das Leben ein Sterben ist.
Das Leben als Scheitern anzusehen, bedeutet hingegen eine Verwerfung des Lebens.
Das Scheitern wird vielleicht zum Raum einer Erkenntnis, wenn auch einer zynischen. Denn es fehlt nicht an Erfahrungen, das Leben als Fluch zu empfinden.

© 2003-2010 Manfred Köhler