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Schlaflosigkeit
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Es gehört Vertrauen dazu, sich dem Schlaf zu überlassen. Das Vertrauen darauf, dass nach dem Erwachen das Leben wieder zur Verfügung steht.
"Der Mensch, der an der Treue seiner Lebenszeit zweifelt, verliert jedes Vertrauen in die Fähigkeit der Künftigung, das Kommende auch wirklich kommen zu lassen. Vor allem aber: sobald er sich seiner umstrittenen Position bewußt wird und deren tragischen Charakter erkennt, verliert er den Schlaf, denn die blinde Hingabe des Schläfers ist ja die simpelste Form unseres Vertrauens in die Trägheit und den Automatismus einer Fortdauer, die auch dann noch anhält, wenn wir die Augen schließen. Die implizite Voraussetzung für den Schlaf ist, daß sich die vertrauten Dinge beim Erwachen wieder vorfinden, daß der böse Genius unsere Abwesenheit oder Bewußtlosigkeit nicht ausnützt, um uns mit dem Aufbrechen einer Pulsadergeschwulst, einem Herzstillstand oder ähnlichem hereinzulegen. Wir begrüßen den heiteren Morgen, der über die Leere und Dunkelheit der nächtlichen Ohnmacht hinweg die Gegenwart des Heute und die Vergangenheit des Gestern verbindet und die Treue der Fortdauer besiegelt. Schlaflosigkeit ist vor allem Mißtrauen. Der Verfall der Stunden und die Heimsuchung durch die Vernichtung, die die Diskontinuität impliziert, halten unsere Aufmerksamkeit wach."
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