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Selbstverlust
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Immer sind wir den Zumutungen einer Identität unterworfen, sind gezwungen, uns über Seinsweisen und Rollen zu definieren oder uns den Zuschreibungen durch Andere auszusetzen. Ist es überhaupt denkbar, nackt und schnörkellos einfach nur zu sein?
"Wie komme ich dazu, der zu sein, der ich bin? - wie komme ich dazu, immer irgend etwas sein zu müssen? und wo fände ich das Sein, das nicht ein bestimmtes Irgend-etwas ist? sondern Sein schlechthin, unsagbar, grenzenlos, durch die Färbung keiner Eigenschaft getrübt. - Hier liegt für den Westen eine Grenze des Wahnsinns, - aber wir sind es müde, wir selbst zu sein; nicht nur dieses eine Ich, dessen Rolle uns gerade beschäftigt, nein: alles Ich, und sei es groß und herrlich, Gott oder Stern, - widert uns an. Was gehe ich mich eigentlich an, als der ich bin, was ich bin. Man muß augenscheinlich, wie ein Tier, gar kein Gefühl dafür haben, daß wir schon immer auf die eine oder andere Weise dabei gewesen sind, in allen Zeiten und Welten, - man muß wirklich blind sein für diesen simpelsten Umstand, um den Befund seiner Individuation für etwas Erfreuliches und Bewahrenswertes zu nehmen. Wie komme ich dazu, immer etwas sein zu müssen, anstatt ganz einfach zu sein? welche Hexerei geht da vor? es muß irgend etwas an mir oder in mir sein, das mich verzaubert, daß ich immer irgend etwas bin. Ich bin augenscheinlich nicht im Besitze meiner vollen Klarheit und Herrlichkeit, daß ich mich immer mit irgendeinem Bestimmten an mir verwechsle, wie wenn einer seinen Handschuh für die Haut nähme?"
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